Artikel

Hier erscheinen in loser Folge Artikel zu verschiedenen Themen.

 

Feministische Philosophie
Die Macht der Schatten(bilder) und die Anstrengung des Denkens

Gibt es sie überhaupt eine ‚feministische’ Philosophie? Darüber wird gestritten. Nach traditioneller Auffassung ist Philosophie ein System allgemein gültiger Thesen und Prinzipien – und das heißt unabhängig von geschlechtlichen Voraussetzungen und Bedingungen. Aber gibt es Individuen und Körper ohne Geschlecht? Sind Philosophen a-sexuell und sind ihre Gedanken unabhängig von ihrer Körperlichkeit?
Denkende Frauen vor allem in Frankreich und Italien sind diesen Fragen nachgegangen und zu interessanten Überlegungen vorgestoßen.

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Der weibliche Blick

„Der weibliche Blick hält sich nah am Leben und ist keine Frage, sondern eine Antwort, keine Strategie, sondern eine Leidenschaft“.

(Dietmar Kamper 'Gibt es einen weiblichen Blick?'  In: Claudia von Braunmühl (Hrg) Berlin 1992. Der blockierte Dialog. Zur Rezeption feministischer Theorie-Impulse im Wissenschaftsbetrieb. S.92)

Gibt es so etwas wie einen weiblichen Blick?[1] Eine spezifische Art und Weise des Sehens von Frauen? Eine besondere Art der Wahrnehmung oder der Perspektive? Oder sogar eine dem weiblichen Geschlecht eigene Betrachtungsweise? Das würde bedeuten, einen geschlechtsspezifischen ‚Zugang zur Welt’ ? Jedenfalls gibt es diese Redensart vom weiblichen Blick, so etwas wie ein geflügeltes Wort, vielleicht sogar eine Metapher! Was aber ist damit gemeint?

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Der Begriff der Alterität bei Luce Irigaray und Emmuel Levinas

Alterität ist zunächst nur der lateinische Ausdruck für Andersheit.[1] In der europäisch philosophischen Begriffsgeschichte wird darunter subsumiert, wie der/die/das Andere gedacht wird. In der neuzeitlichen Philosophie lassen sich zwei Traditionen unterscheiden: Von einer subjekttheoretischen Position aus erscheint der Andere als Objekt des Selben und wird durch dieses angeeignet. Dieser Solipsismus beinhaltet eine Reduktion des Anderen auf das schon Bekannte. Aber auch ein radikaler Relativismus, in der Anerkennung des Anderen als gleichwertig, kann das Problem der Selbstbezüglichkeit des Ich im Verhältnis zum Anderen nicht wirklich lösen. Zur entscheidenden Frage wird, wie das Verhältnis als nicht hierarchisches gedacht werden kann. In der Phänomenologie wurde dieses Problem als Intersubjektivität neu formuliert und in der Folge zwischen der Erkenntnis von Gegenständen und der von Subjekten unterschieden. Alterität, wie sie Levinas versteht, bezieht sich nun auf das Verhältnis zum anderen Menschen.

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„Entre nous, pas un mot concernant la libération des femmes“[1]
Über Nähe und Distanz zwischen Simone de Beauvoir und Luce Irigaray

Dieses Zitat von Luce Irigaray bezieht sich auf ihr Verhältnis zu Simone de Beauvoir. Erst spät hat sie sich dazu geäußert, überhaupt erkennen lassen, daß auch sie von ‘Le Deuxième Sexe’ zutiefst inspiriert war und seiner Verfasserin große Anerkennung entgegenbringt. Das ist für ihre LeserInnen nicht unbedingt selbstverständlich. Obwohl sie in ihrem Hauptwerk ‘Speculum. Spiegel des anderen Geschlechts’[2] die Anspielung auf das Werk der Kollegin aufnimmt, erwähnt sie sie in ihren Texten mit keinem Wort und bezieht sich auch nirgends ausdrücklich auf sie. So verfährt sie zwar auch mit anderen Autoren, wie z.B. Lacan und Derrida - doch bleibt es in diesem Fall bemerkenswert, weil gerade Irigaray eine weibliche Genealogie einfordert, in der sich Frauen auf Frauen beziehen und abgrenzen.

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